DIE SPRACHE DER SEELE


Es gibt viele Menschen, die sich darüber wundern, dass es (immer noch) Anhänger esoterischer Lehren, wie beispielsweise Astrologie, Kartenlegen und Weissagungen gibt. Doch allen gemeinsam ist, dass sie es verstehen, die Sprache der Seele zu benutzen. Im guten wie im schlechten Sinne.

Der von mir geschätzte C.G. Jung, Begründer der analytischen Psychologie, hatte sich diesem Thema angenommen und war sich nicht zu schade auch „heiße Eisen“ diesbezüglich anzufassen.


Der Mensch und seine SymboleSeine Thesen hat er vorzügliche in seinen Werken „Der Mensch und seine Symbole“ sowie in der Theorie der Archetypen verewigt. Jung behauptete auch, wenn man sich Phänomenen wie der Parapsychologie oder Präkognition nicht auch wissenschaftlich nährt, man sie weder belegen noch widerlegen könne. Zumal man Millionen von Menschen ignorieren würde, die daran glauben und einen Nutzen daraus ziehen.


Die Sprache des Unbewussten


Vereinfacht ausgedrückt, bedient sich die Seele – genauer das Unbewusste oder auch das „Unterbewusstsein“ – einer symbolhaften und archaischen Sprache. Wir träumen meist auch symbolhaft und von mystischen Figuren. Selbst wenn es sich um reale Orte und/oder Personen handelt, kommen diese gelegentlich in poetischen Zusammenhängen, die eher an Märchen erinnern, vor.



Ein anderes Phänomen in diesem Zusammenhang ist das der Vorahnungen und der „prophetischen Träume“ – Präkognition. Der Unterschied zu Wahnvorstellungen und Einbildungen ist der, dass eine „echte“ Präkognition im Grunde nichts weiter als eine (Vor-)Berechnung des Unterbewusstseins ist, mit welcher Wahrscheinlichkeit Ereignisse eintreten können. Wenn die geträumten oder erahnten Ereignisse dann auch Wirklichkeit werden, merken wir uns das meist sehr genau.

Dabei treten die meisten Vorahnungen und Träume gar nicht ein. Die Fähigkeit derlei Träume und Gefühle überhaupt zu haben, ist wahrscheinlich jedoch eine sehr nützliche Fähigkeit des Menschen. Denn wenn man sich der Inhalte annimmt und dadurch „Schlimmeres“ verhindert, hat die Fähigkeit ihren nützlichen Dienst getan.


Hilfe für Angehörige erkrankter Menschen


Der Mechanismus ist dabei ähnlich der, der Intuition. Der Unterschied einen Sachverhalt intuitiv zu beurteilen und dem simplen Raten, besteht darin, dass man bei der Intuition auf bestehende Erfahrungen unbewusst zurückgreift und somit schneller zu einem sinnvollen Ergebnis kommt.

Dass das Ganze unbewusst vonstattengeht, hat letztlich mit der Geschwindigkeit kognitiver Denkprozesse und der notwendigen Fokussierung auf aktuelle Aufgaben zu tun. Wenn uns ständig alles gleichzeitig bewusst wäre, würden wir keine Aufgabe gut durchführen können. Gleichzeitig ist ein aktiver Denkprozess eher langsam, da neue uns noch unbekannte Faktoren mit bekannten kombiniert werden müssen. Diese Verlangsamung lässt uns jedoch nicht schnell genug auf Veränderungen oder gar Gefahren reagieren.


Das Reich des Unbewussten


GehirnDas „Reich“ des Unbewussten ist das limbische System und der Neokortex. Das Reich des Bewusstseins ist der Präfrontale Kortex. Sowohl der Neokortex als auch der Präfrontale Kortex, sind evolutionär gesehen zwar die Areale des Denkens, der Präfrontale Kortex „besitzt“ aber das Bewusstsein – zumindest primär beim Menschen, denn andere Lebewesen sind sich auch ohne Präfrontalen Kortex ihrer selbst durchaus bewusst.

Gelegentlich sind aber „Analysen und Berechnungen“ des Neokortex und Entscheidungen des limbischen Systems derart dringlich, dass sie in Form von Ahnungen und Träumen in das Bewusstsein des Präfrontalen Kortex durchdringen.

Bereits in der Steinzeit werden sich die Menschen Geschichten und Ereignisse von Bedeutung am Lagerfeuer erzählt haben. Diese Informationen, die derweilen auch lebensnotwendig – aber nicht immer auch tagesaktuelle notwendig waren – wurden meist im Unterbewusstsein – also im limbischen System und im Neokortex – abgespeichert. Diese Fähigkeit Hilfreiches aus Märchen und Mythen zu ziehen, hat sich vermutlich im (bereits von C.G. Jung sogenannten) Kollektivbewusstsein abgebildet.


Kollektivbewusstsein


Die Sprache der SeeleDas Kollektivbewusstsein ist, stark vereinfacht ausgedrückt, das, was in den meisten Köpfen (mehr oder minder bewusst) vorhanden bzw. abgebildet ist. Was hierbei allen Menschen auf dem Planeten gemein zu sein scheint, ist die Fähigkeit Märchen und Mythen zu bilden und diese dann in den Alltag hinein zu abstrahieren.

Je tiefer also ein Mensch in seine Seele eindringt oder im Gespräch in sich hineinhört, desto eher wird eine symbolhafte und archaische Sprache auch verstanden und vonnöten sein, um mit sich selbst besser kommunizieren zu können. Genau diese Sprache wird beispielsweise von den meisten Schamanen benutzt und auch verstanden. Eine Lebenshilfe, die wahrscheinlich seit Jahrtausenden auf diesem Planeten existiert.

Kombiniert mit dem Prinzip der Assoziation (Verknüpfung) kann man dann in Form von Weissagungen und astrologischen Ideen Kontakt aufnehmen mit der eigenen Seele. Soweit ich C.G. Jung verstanden habe, hat er dazu auch eine simple Meinung gehabt. Wenn beispielsweise bei einem Horoskop oder einer Tarot-Karte ich glaube es sei stimmig, dann hat es auch eine Bedeutung. Wenn ich das nicht glaube, dann hat es auch keine Bedeutung.


Auf das Gefühl achten


Das Gefühl bekommt dabei eine besondere Bedeutung. Wenn ein Symbol oder eine Aussage mich besonders bewegt, dann ist die Wahrscheinlichkeit auch am größten, dass es dazu unbewusste Informationen (oder Berechnungen) in meinem limbischen System bzw. Neokortex gibt. Die Analogie, die hier jedoch auch missbraucht werden kann, ist die der „selbsterfüllenden Prophezeiungen“. Wenn ich glaube, dass etwas passiert, dann werde ich wahrscheinlich auch unbewusst derlei erwarten und meine (unbewusste) selektive Wahrnehmung wird nach weiteren Symbolen Ausschau halten und somit (leider) die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass das Vorausgesagte auch eintritt.

Bei positiven Ereignissen stört das natürlich nicht, aber bei negativen natürlich schon. Man kann sich dabei aber auch positiv selber überlisten. Legt man sich die Karten, dann gilt es bei negativen Voraussagungen diese zu verhindern und bei positiven diese zu erlangen. Ein schamanisches System, das mit C.G. Jung´s Prinzipien gut arbeitet, ist das s.g. Seelen-Orakel. Es vereint Symbolismus und archetypische Charaktere mit (meist) positiven Weissagungen. Wenn man es nicht allzu ernst nimmt, macht es einen großen Spaß und kann durchaus auch in kleine Krisen helfen – um Ideen zu bekommen, auf was man zu achten hat.



In der analytischen Psychologie bedient man sich der gleichen auch sehr gerne, um Assoziation herzustellen und um schneller zum Kern des Problems vorzudringen. Denn im Unterbewusstsein sind meist auch die Details enthalten, an die der Mensch (mit dem Problem) noch nicht so recht herankommt. Mit derselben Symbolik und „stillen Sprache“ arbeitet auch der Rorschachtest. Leider wurde vergessen, dass die Vorinterpretationen von Rorschach selber nicht für alle Menschen anzuwenden sind. Es kommt viel mehr darauf an, die Interpretationen der Probanden zu hören und gemeinsam zu interpretieren. So lassen sich viele symbolhafte (meist biografische) Erinnerungen erfassen – die das Unterbewusstsein so leichte freigeben kann.


Rorschachtest
Rorschachtest

Sender und Empfänger


Eine weitere Analogie in der Sprache findet man in der Transaktionsanalyse und in der Ego-State-Theorie. Beide geben davon aus, dass Persönlichkeitsanteile in der Psyche, gleich kleiner Mikropersönlichkeiten abgebildet werden. Was wiederum nicht mit einer Persönlichkeitsstörung verwechselt werden sollte. Denn jeder von uns füllt täglich unterschiedliche Rollen aus, auf deren Muster und Charakter er auf diverse Persönlichkeitsanteil zurückgreift.

Je symbolhaft und archaischer die Sprache einer Person ist – meist auch noch gepaart mit Dialekt – je eher kann man auch davon ausgehen, dass ein kindlich/jugendlicher oder ein von den Eltern übernommener Anteil mit uns kommuniziert, der aus dem Unterbewusstsein kommt. Das emanzipierte erwachsene Ich spricht, salopp ausgedrückt, meist zu kognitiv. Man sollte das sicherlich nicht generalisieren, aber wenn man geübt ist, kann man schon genauer heraushören, welcher Anteil gerade mit einem spricht. Je besser man sich dieser Sprache auch bedienen kann, kann man so auch mit weniger bewussten Anteilen kommunizieren.


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Ich persönlich bin besonders darauf trainiert, vor allem Glaubenssätze herauszuhören und auf unbewusstes Verhalten hinzuweisen. Die Sprache der Seele ist dabei essenziell. Wer mehr über sich und seine unbewussten (oder auch bewussten) Glaubenssätze und Symbole herausfinden möchte, kann sich gerne vertrauensvoll an mich wenden. Ich habe immer ein offenes Ohr für die Seele.

Andreas Scholz | Heilpraktiker für Psychotherapie