KUNSTTHERAPIE


Als ehemaliger Medienschaffender habe ich natürlich eine besondere Beziehung zu Kunst und Kultur. Dabei halte ich es auch wie Erich Fromm und C.G. Jung, die beide unisono der Meinung waren – jeder Mensch kann Kunst erschaffen. Fromm war auch der Ansicht, dass Kunstschaffende ganz im Allgemeinen näher an sich selbst wären. Da sie durch ihre Kunst eine Möglichkeit hätten, besser an ihren eigenen Kern heranzukommen und somit eine Form haben, sich (auch ohne Worte) ausdrücken zu können.



Was nicht heißen muss, dass auch jeder seine Kunst veröffentlichen muss oder gar von ihr leben kann. Wie ich bereits im vorangegangenen Beitrag – Herbst Melancholie – erwähnt habe, sind alle manuellen Tätigkeiten besonders gut dazu geeignet, Selbstwirksamkeit zu erzeugen. Insofern kann ich jedem Menschen nur ans Herz legen, sich etwas zu suchen, dass ihm am ehesten als Ausdrucksform zusagt. Und natürlich ist es aus therapeutischer Sicht auch besonders gut dazu geeignet, dem Inneren mehr Ausdruck zu verleihen.

Die Umsetzung innerer Zustände – gleich ob Angst, Trauer, Trauma oder gar Sucht und Abhängigkeiten – können so einen „Platz“ finden und durch die Form eines Ventils verarbeitet oder gar aufgelöst werden. Hierbei sind, neben den „Klassikern“ wie Musik und Malerei auch alle anderen Künste geeignet. Letztlich wird sich die Psyche von alleine ihre Form suchen, bei der sie die größte Motivation findet, um sich ausdrücken zu können.



Was ist eigentlich Kunst?


Kunst kommt nicht von können – ich hasse diesen Spruch – sondern ist abgeleitet von künstlich. Daher heißt es in angelsächsischen und alt-romanischen Sprachen auch Art – wo es aus dem Lateinischen übernommen wurde. Insofern sind alle vom Menschen und nicht von der Natur geschaffenen Dinge Kunst – da sie künstlich sind. Was auch für Kreativität gilt, was wiederum vom Kreieren (lat. Creatio – Erschaffung) abgeleitet ist.

Insofern ist natürlich auch das simpelste Kochen schon Kunst – ohne hier diejenigen, die es zur Meisterschaft in ihrer Zunft gebracht haben, diskreditieren zu wollen! Wie man oben schon erkennen kann, bin ich auch kein Meister – was mich aber nicht davon abhält, mich durch Bilder auszudrücken – denn Kunst liegt im Auge der Betrachtenden.


    • Malerei
    • Töpferei / Bildhauerei
    • Theater / Schauspiel / Tanz
    • Schreiben (Bloggen, Romane etc.)
    • Musizieren / Komponieren
    • Film und Fotografie
    • Design / Grafik
    • Lichtspiele (Installationen)
    • Akrobatik-Sport (gerne im Freien)

 


Knochenflöte

Natürlich haben Kunst und Kultur nicht nur therapeutischen Charakter. Sie sind für jeden Menschen geeignet, Stress genauso abzubauen, wie einfach nur Spaß an der Freude zu haben. Die ältesten Höhlenmalereien sind mehr als 40.000 Jahre alt, genauso alt wie die ersten von Menschen geschaffenen Flöten. Letztlich der Grundstein, aus dem unsere moderne Kultur heraus erwachsen ist. So kommt Kultur vom Kultivieren, dem Anbauen. Daher auch die Bezeichnung Agrarkultur und die ist auch die Basis für die meisten Künste.

Ich bin davon überzeugt, dass das mit einer der Gründe ist, weshalb Kunst und Kultur so tief in unserer Psyche verankert sind. Sie gehört quasi zu unserer anthropologischen DNA. Für mich auch der Grund, weshalb Kunst und Kultur, sowohl prophylaktisch, als auch therapeutisch, hervorragende Werkzeuge sind, die man sehr reichlich nutzen sollte. Hier gilt in den meisten Fällen tatsächlich mal – viel hilft viel – denn mit Kreativität hat der Geist nicht nur etwas „an der Hand“, mit dem auch er sich physisch ausdrücken kann, sondern die Psyche bekommt auch etwas an die Hand, in der sie sich sinnvoll vertiefen darf.



So enthalten auch fast alle Künste meditative Momente und helfen uns somit, unsere biologischen Glücksbringer, wie Dopamin (Belohnung) und Serotonin (Glück und Verbundenheit), auszuschütten. Das ist eine gute Basis zur Stabilisierung und gleichzeitig eine gute Basis für Interpretationen und Assoziationen unseres Geistes.


Andreas Scholz | Heilpraktiker für Psychotherapie