BUCHTIPP – BORDERLINE SYNDROM


Durch Zufall habe ich das Buch von Joachim Gneist: „Wenn Haß und Liebe sich umarmen“, entdeckt. Als ich die Straße entlang lief, bemerkte ich aus dem Augenwinkel ein paar Bücher auf einem Elektrokasten. Das Flattern der Seiten erregt meine Aufmerksamkeit, sodass ich einen kurzen Clip mit dem Handy aufnehmen musste.



Ob es ein Fall von selektiver Wahrnehmung oder schlicht Zufall war, sei dahingestellt. Denn kurz zuvor hatte ich bereits ein anders, für mich wertvolles, Buch auf ähnlich Art und Weise gefunden. Es könnte also sein, dass meine Augen darauf unbewusst „geschult“ wurden. Wie auch immer – ich fand fast alle Bücher interessant. Doch Joachim Gneist´sWenn Haß und Liebe sich umarmen. Das Borderline-Syndrom. Ein Psychodrama unserer Zeit.“ hatte mich sofort gefesselt.



Nicht nur, dass er eine sehr schöne Sprache hat und die Fälle, die er beschreibt, alle samt sehr berührend sind, es fühlte sich auch noch so an, als wenn ich eine Zusammenfassung meiner traumatologischen Ausbildung lesen würde. So habe ich es auch gleich, nach der Lecktüre, an einen Kollegen weiter verschenkt. Als Widmung habe ich mitgegeben, dass man das Wort Borderline getrost durch Trauma ersten kann.

Ich möchte hier nicht Gneist´s Werk schmälern, sondern ganz im Gegenteil alle Lesenden dazu anregen, sich immer zu vergegenwärtigen, dass jedes Syndrom seine Ursache hat. Leider sind es meist traumatische Erfahrungen. Wie diese sich auf den jeweiligen Menschen auswirken, ist sehr unterschiedlich. Eine mögliche Ausprägung ist dabei eben das Borderline-Syndrom.


Die restliche Beute meines Windfangs



Gleichgültig ob man selber betroffen oder Angehörige eines Betroffenen ist, ist sein Buch eine sehr gute Grundlage, Verständnis für das Syndrom herzustellen. Was nicht heißt, dass man danach gleich Experte für Borderline ist oder gar weiß, wie man damit umzugehen hätte. Auch enthält es Passagen, die traumatisierte Menschen an ihr eigenes Trauma erinnern könnte. Doch wer mit Bedacht liest und sich im akutem Fall selber Hilfe sucht, der wird am Ende doch mehr Verständnis haben für die Ausbrüche der Betroffenen als zuvor – und bekommt eventuell auch noch eine Idee, was man im Fall einer Traumatisierung machen sollte.


Andreas Scholz | Heilpraktiker für Psychotherapie